Dreigestirn

Seit das Chaos mit dem Licht zu spielen begann ziehen mein Gemahl und ich durch die Welt und sammeln die Seelen ein, deren Zeit gekommen ist. Er erntet mit der Sense, ich ziehe nach mit dem Rechen. Manchmal pflückt er mir eine Blume am Wegesrand, sogleich welk in seiner knochigen Hand,ihren Duft verströmend. Ich stecke sie mir dann an meinen geflickten Hut.Man nennt uns Tod und Tödin. Wir bringen die Seelen an ihren Ort. Einem Ort, von dem ihr noch früh genug erfahren werdet. Ja, wäre da nicht die Liebe würde alles einer allumfassenden Ordnung folgen, doch Geschichten
leben von der Unordnung…


Alles begann ungefähr vor einem Jahr im Mai. Ein frisch vermählter
Bräutigam verließ die Feier in Hartelsberg, Kärnten und ging wie paralysiert in den Wald. Am nächsten Morgen wurde er tot neben dem Elfenbrunnen gefunden. Also kam ich um die Seele des Mannes mitzunehmen- doch sie war nicht da. Lediglich ein toter Körper. Ich rief meinen Gemahl und auch er konnte sich nicht erinnern den jungen Markus gesenst zu haben. Wir sahen uns an und wussten was geschehen war. Schon vor einigen Jahrhunderten trug es sich zu, dass die Elfenkönigin eine Seele aus Hartelsberg entführte in ihr Reich. Unter den selben Umständen; einen jungen Bräutigam hatte sie sich ausgesucht und ihn zum Elfenbrunnen geleitet um ihn mitzunehmen. Damals wurde sie von der obersten Instanz,die wir beide kennen, verwarnt und über die Menschenwelt wurde ein
Vergessenszauber gelegt. Ganz konnten all die Wesen nicht verschwinden aus den Geistern der Menschen. Sie lebten weiter in Geschichten. Die "Sagen“ waren geboren.


„Wird er betrunken gestolpert sein!“ hörten wir jemanden rufen.
Zustimmende Geräusche folgten. Doch zwei runzlige Damen tuschelten
miteinander: „Die Elfenkönigin wird ihn geholt haben.“ Für mich und meinen Gemahl war die Zeit gekommen, unsere Vorgesetzten zu
informieren.

 

 

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© Ina Seiser