Das Werk des geschaffenen Gottes

Der Mensch kennt den Zweck dessen, was er geschaffen hat. Er kann sagen, dass ein Staubsauger dazu da ist um Staub zu saugen. Insofern kann er auch sagen: „DAS ist ein perfekter Staubsauger.“ Denn wenn das Ding das tut, was der Mensch ihm aufgetragen hat, dann kann er ein vom Menschen geschaffenes Wort verwenden, das Vollkommenheit ausdrückt.

Doch wie steht es mit dem Planeten? Ist ein Planet perfekt, weil er Ressourcen bietet? Weil er Leben ermöglicht? Hat ein Stein mehr Wert, wenn Moos auf ihm wächst?

Solange man nicht weiß, warum ein Planet da ist, kann er in unserem Sprachgebrauch gar nicht perfekt sein. Um dies zu proklamieren müssten wir Erstens einen Gott postulieren und diesem Zweitens eine Gesinnung andichten. Können wir natürlich tun, haben wir längst gemacht. Wir haben einen Gott geschaffen, der den Zweck hat, uns Sinn zu geben und Angst zu nehmen. So können wir sagen: „Die Erde ist da, wegen uns! Wir Menschen, Krone der Schöpfung! Auf UNS hat es eine höhere Macht abgesehen.“

Für den Menschen ist dieser Planet Erde perfekt. Die Temperatur zum Beispiel. Weder Minus Zweihundert, noch Plus Dreitausend, nein, wir bewegen uns in dem für Leben wie wir es kennen Verträglichen. Wir existieren und können weiter existieren, weil es Nahrung gibt, wir können die Sterne schauen und über alles Mögliche sinnieren. Wir fühlen, empfinden Freude und Leid, das macht die ganze Sache auch noch aufregend.

Der Planet an sich ist wahrlich ein Paradies. Nur sieht das niemand.

Schade eigentlich.

Futter wächst an Bäumen, Wasser fällt vom Himmel, Weggefährten schlüpfen aus dem Schoße weiblicher Artgenossen...

Da fragt man sich doch, warum wir nicht in der Hippiebewegung hängen geblieben sind, der freien Liebe frönen und Friede und Glückseligkeit herrscht...

Wurden wir tatsächlich aus dem Paradies vertrieben? Lastet Sünde auf unseren Schultern? Sollte uns Gott nicht Sinn geben und Angst nehmen?

Wenn ein geschaffenes Konzept seinen Zweck nicht mehr erfüllt, machen wir uns eben ein anderes. Haben wir auch getan. Wir nannten es Wissenschaft. Vielfach auch: Objektive Wissenschaft. Diese hat den Zweck uns wertfrei Kausalitäten zu erklären.

Dies sieht dann zirka so aus: Das Universum ist so riesig, dass man es in Fußballfeldern nicht auszudrücken vermag. Zwischen Himmel und Erde gibt es noch viel Unentdecktes und sobald jemand behauptet einen Sinn zu kennen, der für jedermann gültig ist, wird dieser aus der Wissenschaftsgemeinschaft ausgeschlossen. Denn die Freiheit seinen Sinn zu wählen ist, nach der Aufklärung, das größte Gut und die größte Bürde des Menschen.

Betreffend den Planeten kann die Wissenschaft viele Daten liefern, aber die Perfektion an sich hat sie noch nicht messbar gemacht. Doch da sie mittlerweile auch behauptet Freiheit messbar gemacht zu haben, sollte man auf alles gefasst sein.

Es gibt nämlich Stimmen, die behaupten, wir wären Sklaven unserer Hirne und Gene. Menschliche Entscheidungen als ein Produkt der Unfreiheit zu betrachten und gesellschaftlich nicht akzeptierte Handlungen, als Resultat einer Krankheit, ist ein Machtwerkzeug, dessen sollte man sich bewusst sein.

Die Menschen sind, wie sie sind. Genauso die Planeten. Insofern, obwohl wir von einem der Planeten abhängig sind, lässt sich über ihre Perfektion nichts aussagen. Genauso wenig, wie man darüber urteilen kann, ob der Mensch perfekt ist.

Ein perfekter Mensch wäre nämlich ziemlich sicher ein gesunder.

 

 

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© Ina Seiser