Über Sinn, Ziel und Zeit

Über den Sinn des Lebens wurde schon viel geschrieben, gesagt und diskutiert. Somancher sucht nach dem objektiv richtigen Sinn. Nach einem höheren Ziel und somanch anderer findet dazu keine Zeit. Dabei ist es von einem anderen Blickwinkel betrachtet gut, dass es keinen objektiven Sinn gibt. Denn so hat man die Freiheit, ihn sich selbst zu wählen.

 

"Eindeutigkeit – sieht man von den (freilich ganz wesentlichen) Hilfsorganisationen ab: Datierung, Quellenkritik und dergleichen – ist in den interpretierenden Geisteswissenschaften kein Ideal, das nicht erreicht wird, sondern eine Gefahr, der es zu entkommen gilt. Man muß merken, wogegen die Vieldeutigkeit nötig würde, und daß es Blut, Schweiß und Tränen gekostet hat, die Eindeutigkeit gerade loszuwerden. Denn die Geisteswissenschaften sind auch eine – späte – Antwort auf die Tödlichkeitserfahrung der konfessionellen Bürgerkriege, die hermeneutischen Bürgerkriege waren; denn man schlug einander tot im Kampf um das eine absolut richtige Verständnis des einen absoluten Buchs, der Bibel und späterhin der einen absoluten Geschichte."

 

Marquard, Odo; Einheitswissenschaft oder Wissenschaftspluralismus? in: Küppers,
Bernd- Olaf (Hg.); Die Einheit der Wirklichkeit, Zum  Wissenschaftsverständnis der Gegenwart; Wilhelm Fink Verlag, 2000, S64

 

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© Ina Seiser